In einer bedeutsamen Entscheidung hat ein US-Bundesrichter angeordnet, dass Geistliche und katholische Aktivisten ein Abschiebezentrum westlich von Chicago am Aschermittwoch betreten dürfen. Dieses Urteil stellt einen wichtigen Meilenstein im Kampf um die Seelsorge für inhaftierte Migranten dar.
Der Rechtsstreit
Die US-Einwanderungsbehörde ICE hatte monatelang den Zugang von Geistlichen zu Abschiebezentren blockiert. Religiöse Organisationen argumentierten, dass dies eine Verletzung der Religionsfreiheit darstelle, da inhaftierte Migranten ein Recht auf geistliche Betreuung hätten.
Der Richter stimmte dieser Argumentation zu und betonte, dass der Zugang zur Seelsorge ein grundlegendes Menschenrecht sei, das nicht durch bürokratische Hürden eingeschränkt werden dürfe.
Biblische Grundlage
Die Bibel spricht deutlich über den Umgang mit Fremden und Gefangenen. In Matthäus 25,35-36 sagt Jesus: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen... ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen." Diese Worte bilden das Fundament des kirchlichen Engagements für Migranten.
Der Hebräerbrief 13,2 mahnt: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu wissen, Engel beherbergt." Die christliche Tradition der Gastfreundschaft kennt keine Grenzen der Nationalität oder des rechtlichen Status.
Die Rolle der Kirche
Katholische und evangelische Gemeinden in den USA haben sich zunehmend für die Rechte von Migranten eingesetzt. Die Seelsorge in Abschiebezentren umfasst nicht nur Gottesdienste und Gebete, sondern auch praktische Unterstützung: Rechtsberatung, Kommunikation mit Familien und emotionale Begleitung in einer extrem belastenden Situation.
Papst Franziskus hat wiederholt betont, dass die Aufnahme von Fremden eine zentrale christliche Pflicht sei. In seiner Enzyklika Fratelli Tutti schreibt er über die universelle Geschwisterlichkeit, die keine Mauern kennt.
Bedeutung des Aschermittwochs
Die Wahl des Aschermittwochs als Datum für den Besuch ist symbolisch bedeutsam. Der Beginn der Fastenzeit erinnert Christen daran, sich den Bedürfnissen der Schwächsten zuzuwenden. Das Aschenkreuz, das Vergänglichkeit und Umkehr symbolisiert, wird so zu einem Zeichen der Solidarität mit denjenigen, die alles verloren haben.
Wie der Prophet Jesaja 58,6-7 es ausdrückt: „Ist nicht das ein Fasten, wie ich es wünsche: die Fesseln des Unrechts zu lösen... die Obdachlosen ins Haus aufzunehmen?"
Ein Zeichen der Hoffnung
Das Urteil sendet ein klares Signal: Die geistliche Betreuung von Inhaftierten ist kein Privileg, sondern ein Recht. Für die betroffenen Migranten bedeutet der Besuch der Geistlichen mehr als nur religiöse Betreuung — er bedeutet, dass sie nicht vergessen sind.
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