Kann man wirklich an die Auferstehung glauben?

Fuente: Jesus.de

„Ich glaube an Jesus Christus, … am dritten Tage auferstanden von den Toten“

Kann man wirklich an die Auferstehung glauben?
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Aus dem Apostolischen Glaubensbekenntnis

Von Wolfgang Kraska

Die Zeiten, in denen über die Auferstehung Jesu gestritten wurde, scheinen mir vorbei zu sein. Die meisten unserer Zeitgenossen interessiert es schlichtweg nicht, weil sie mit ihren Alltagssorgen beschäftigt sind. Viele haben nur so viel irgendwann aufgenommen, dass man die Auferstehung nicht wörtlich verstehen darf und dass sie auch gar nicht so wichtig ist.

Ein neuer Volks-Unglaube

In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts war die Theologie von der Lehre Rudolf Bultmanns (1884–1976) geprägt. Nach seiner Auffassung ging es nicht um den historischen Jesus, sondern um seine Verkündigung und Absichten. Das Neue Testament müsse von seinen heute nicht mehr verständlichen Mythen befreit werden (Entmythologisierung) und die Texte befragt werden, welche menschlichen Grundfragen (Existentialien) darin zum Thema gemacht werden.

Zu den Konsequenzen dieser „existentialen Interpretation“ des Neuen Testaments gehört auch, dass die Auferstehung Jesu nicht wörtlich und historisch zu verstehen sei. Die Historizität der Auferstehung sei auch gar nicht relevant für Christen. Wichtig sei vielmehr, dass Jesus in den Glauben und die Verkündigung der Jünger, ins „Kerygma“, auferstanden sei. Das bedeutet: Wo Menschen – in welcher Weise auch immer – glauben und sich von Jesus beeinflussen lassen, da lebt er weiter.

Obwohl sich außerhalb der Theologie mit diesem eher philosophischen, auf Heidegger zurückgehenden Ansatz kaum jemand wirklich auseinandergesetzt hat, ist diese Lehre weitgehend zum neuen Volksglauben geworden. Das überrascht nicht, denn die Behauptung, Jesus sei am dritten Tag von den Toten auferstanden, ist für den Verstand natürlich eine Zumutung. Aber ist die Aussage einer wahrhaftigen und realen Auferstehung wirklich unwichtig und verzichtbar für den Glauben?

Solidarisierung des Vaters mit dem Sohn

Ohne die Auferstehung sind das Kreuz und der Zuspruch, dass unsere Sünden damit überwunden sind, eine bloße Behauptung. Nun aber bestätigt der allmächtige Gott durch sein demonstratives Eingreifen, dass Jesus tatsächlich sein Sohn war und in seinem Auftrag gehandelt hat. Er unterschreibt und beglaubigt damit quasi die diesbezüglichen Aussagen von Jesus.

Bereits Paulus muss für das wörtliche Verständnis der Auferstehung kämpfen. Aber aus seiner Sicht hängt daran alles (1. Korinther 15,14): „Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann war unser Predigen wertlos, und auch euer Vertrauen auf Gott ist vergeblich.“

Grundlage für die Nachfolge

Jesus hat versprochen (Matthäus 28,20), alle Tage bis an das Ende der Welt, und somit auch bei uns heute, bei seinen Leuten zu sein. Damit ist deutlich mehr gemeint, als dass uns seine Lehre und die Erinnerung an sein Vorbild auch heute noch prägen können. Es geht um die tatsächliche Präsenz des unsichtbaren, aber sehr lebendigen Jesus Christus in Ihrem und meinem Leben.

Immer wieder berührt er Menschen konkret und real in ihrer Alltagswelt, sodass sie über alle menschliche Vernunft hinaus wissen: Mein Herr lebt und ist mit mir unterwegs. Alle diesbezüglichen Aussagen von Jesus verlieren ihre Basis und Glaubwürdigkeit ohne seine tatsächliche Weiterexistenz als Auferstandener.

Zentrum unserer Zukunftshoffnung

Gott hat noch große Pläne mit uns und für uns. Seine Liebe geht so weit, dass er auch seine neue, jenseitige Welt mit uns bevölkern will. Aber diese Welt wird nicht mehr so sein, wie die alte es war. Sie wird nicht mehr von Raum, Zeit und Materie bestimmt und begrenzt. Um dort existieren zu können, müssen wir in das Format der neuen Welt konvertiert werden.

Wie das aussieht, lässt die Auferstehung von Jesus erahnen. Er ist der Prototyp der Umwandlung und hat bereits jenen neuen Leib, der für die Existenz im Jenseits nötig ist. Mit der auch uns zugesagten Auferstehung soll die Konvertierung in Serie gehen. Noch lässt sich das nur in Bildern beschreiben (1. Korinther 15, 42–44): „Genauso verhält es sich mit der Auferstehung der Toten. Unsere irdischen Körper sterben und verwesen, doch bei der Auferstehung werden sie unvergänglich sein und nicht mehr sterben. Jetzt sind unsere Körper nicht perfekt, aber wenn sie auferstehen, werden sie voller Herrlichkeit sein. Jetzt sind sie schwach, dann aber voller Kraft. Jetzt sind es natürliche menschliche Körper, aber wenn sie auferstehen, werden es geistliche Körper sein. Denn so wie es irdische Körper gibt, so gibt es auch geistliche.“

Einen klaren Beweis gibt es nicht

Machen wir uns zunächst klar: Eine reale Auferstehung vom Tod ist für uns weder beweisbar noch wiederholbar. Die biblischen Osterberichte nehmen uns diese Herausforderung nicht ab. Das leere Grab hat keine Beweiskraft. Es lässt sich auf vielerlei Weise deuten. Machen wir uns deshalb die Reihenfolge klar. Jesus muss keineswegs auferstanden sein, weil das Grab leer ist. Sondern umgekehrt: Das Grab ist leer, weil Jesus auferstanden ist.

Wer will, kann auch die Berichte der Augenzeugen anders deuten, etwa als sehnsuchtsvolle Halluzinationen aufgrund einer traumatischen Erfahrung. Allerdings berichtet das Neue Testament das Gegenteil. Mit allem haben die Jünger gerechnet, nur nicht damit, dass Jesus lebendig sein könnte. So lesen wir beispielsweise in Lukas 24,11: „Für diese klang die Geschichte völlig unsinnig, deshalb glaubten sie ihnen nicht“

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Sollte Gott etwas unmöglich sein?

Ohne dass ich das hier näher ausführen könnte, ist es doch beachtlich, dass es unter den Christen viele naturwissenschaftlich gebildete Menschen gibt, die aufgrund der neueren Physik die reale Auferstehung von Jesus durchaus für nachvollziehbar halten. Die größeren Probleme haben nach meiner Wahrnehmung geisteswissenschaftlich geprägte Menschen.

Mir selbst hat Gott einen kindlich-naiven Glauben geschenkt und trotz aller Beschäftigung mit theologischen Fragen bis heute erhalten. Aus meiner Sicht ist die Auferstehung Jesu ein erneutes grundlegendes Handeln Gottes. Weil ich glauben kann, dass diese Welt durch einen ersten Impuls von Gott entstanden ist, habe ich keine Mühe mit dem Gedanken, dass Gott noch einmal in schöpferischer Weise tätig geworden ist.

Warum denn nicht, wenn er Anlass dafür sieht und die Macht dazu hat? Als Schöpfer ist er doch nicht an das gebunden, was wir Naturgesetze nennen. Letztlich spitzt sich das Ringen um die Glaubwürdigkeit der Auferstehung auf die einfache Frage Gottes an Abraham aus 1. Mose 18,14 zu: „Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein?“

Erst die eigene Begegnung schafft Klarheit

Bleibt noch die andere Ebene zu bedenken, nämlich ob die tatsächliche Auferstehung denn so wichtig sei und ob man sie unseren skeptischen Zeitgenossen heute noch zumuten müsse. Mir scheint, diesen Punkt kann man niemandem ersparen. Der gerade zitierte Satz wirft nämlich die noch viel tiefere Frage auf, über welchen Gott wir eigentlich reden. Ist es ein Gott, der nur das tun kann, was wir nachvollziehen können? Akzeptieren wir Gott nur, wenn er uns nicht mit seiner Jenseitigkeit und Andersartigkeit – mehr noch: mit seinem Gott-Sein – überfordert? Aber letztlich heißt das doch: Darf Gott wirklich Gott sein, oder nur das Ideal eines Menschen, wie wir es sind?

Paulus ist es wichtig, auf der realen, wahrhaftigen und leiblichen Auferstehung zu beharren. Deshalb benennt er in 1. Korinther 15, 5–8 zahlreiche Augenzeugen und – ganz wichtig für uns! – als letzten auch sich selbst. Das heißt doch, auch Jahre nach der Rückkehr von Jesus in den Himmel ist eine persönliche Begegnung mit ihm grundsätzlich möglich. Das wird bei uns heute in aller Regel anders aussehen als bei den Aposteln oder auch bei Paulus. Jesus gebraucht dabei seinen Vermittler und Dolmetscher, den Heiligen Geist. Was Menschen dabei bis heute erleben, ist aber für sie so prägend und tragfähig, dass sie fortan gewiss sind: Jesus lebt, und ich lebe in Zukunft in Gemeinschaft mit ihm.

Vergewisserung in der Taufe

Eine ganz starke Bestätigung dieser neuen Realität ist die Taufe durch Untertauchen. In der Symbolhandlung, die auf Jesu ausdrückliche Anweisung zurückgeht, erleben wir beim Untertauchen eindrücklich, dass unser altes Leben begraben und beerdigt ist. Wir sind „mit Christus gestorben“.

Beim Wiederauftauchen aus dem Wasser können wir etwas davon erahnen, was die Auferstehung für uns bedeutet. Ich habe deshalb bei einer Taufhandlung immer 2. Korinther 5,17 zitiert und dem Täufling vor dem Untertauchen zugesprochen: „Das bedeutet aber, wer mit Christus lebt, wird ein neuer Mensch. Er ist nicht mehr derselbe, denn sein altes Leben ist vorbei.“ Und nach dem Auftauchen aus dem Wasser habe ich unter dem Beifall und der Mitfreude der Gemeinde den Satz vollendet: „Ein neues Leben hat begonnen!“ (2. Korinther 5,17)

Jesus selbst braucht unsere Taufe nicht. Er schaut uns unmittelbar ins Herz und weiß, wo und wie wir stehen. Aber wir brauchen diese intensive, körperliche Erfahrung, damit wir nie vergessen, zu welch neuen Lebensmöglichkeiten und zu welch großer Hoffnung wir berufen sind. Die Basis dafür lautet: Weil Jesus auferstanden ist.

Es ist die Veränderung im eigenen Leben und die persönliche Begegnung mit Jesus, vermittelt durch den Heiligen Geist, die den Glauben an die leibliche Auferstehung ermöglicht. Deshalb bekennen Christen sie seit vielen Jahrhunderten im Credo. Und zu Ostern ist es inzwischen vielerorts auch in unseren westlichen Kirchen Brauch, sich mit dem Bekenntnis und der Vergewisserung zu begrüßen: „Der Herr ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Zur Vertiefung allein oder in der Gruppe

Klärung

  • Wie denken Sie über die Aussagen zur realen Auferstehung Jesu Christi von den Toten? Warum können Sie daran glauben – oder auch nicht?
  • Was prägt Sie bezüglich der Auferstehung von Jesus? Die Skepsis der Vernunft – das Vertrauen in das Neue Testament – oder auch eigene Begegnungen mit Jesus?

Vergewisserung

  • Sie sind in guter Gesellschaft, wenn Sie allen Argumenten zum Trotz an die leibhaftige Auferstehung von Jesus glauben. Denn dem Gott, dem wir gehören, ist nichts unmöglich.
  • Sind Sie getauft? Dann erinnern Sie sich bei jeder Taufe in der Gemeinde aufs Neue daran, dass auch Sie für eine großartige Zukunft bestimmt sind.
  • Jesus lebt! Machen Sie sich bewusst, wo Sie ihm zuletzt spürbar begegnet sind, und danken Sie ihm dafür.

Hoffnung

  • Die Auferstehung von Jesus ist erst der Anfang. Auch wir sollen auferstehen und verwandelt werden. Dann wird alles, was uns jetzt noch runterziehen will, überwunden sein.
  • Durch seinen Tod sorgt Jesus dafür, dass wir würdig sind, in Gottes Gegenwart zu treten. Durch seine Auferstehung gibt er uns eine Ahnung davon, wie das sein wird. Und Sie sollen unbedingt dabei sein. So will es der lebendige Gott.

Wolfgang Kraska ist Autor und FeG-Pastor im Ruhestand.



Cover des Magazins Christsein Heute

Dieser Artikel ist in Christsein Heute erschienen. Christsein Heute ist das Magazin des Bundes Freier evangelischer Gemeinden (FeG).

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