SPD und EKD: Gemeinsam für die Stärkung der Demokratie

Fuente: EKD Nachrichten

Nach fast fünf Jahren Pause haben sich Vertreter der SPD und der Evangelischen Kirche in Deutschland wieder zu einem Spitzengespräch zusammengefunden. Im Zentrum des Dialogs standen diesmal nicht primär gesellschaftspolitische Einzelfragen, sondern die fundamentale Sorge um die Demokratie selbst. Diese Begegnung zeigt, wie sehr sowohl die Politik als auch die Kirchen spüren, dass die demokratischen Grundlagen unserer Gesellschaft unter Druck geraten sind.

SPD und EKD: Gemeinsam für die Stärkung der Demokratie
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Das erste Treffen dieser Art seit 2019 ist mehr als ein diplomatischer Austausch – es ist ein Zeichen dafür, dass Christen in der Politik und kirchliche Führungskräfte ihre gemeinsame Verantwortung für das demokratische Gemeinwesen ernst nehmen. Wie der Prophet Jeremia das Volk Israel aufforderte, "für das Wohl der Stadt zu sorgen" (Jeremia 29,7), so sehen auch heute Christen ihre Berufung darin, zum Gelingen des gesellschaftlichen Zusammenlebens beizutragen.

Demokratie als christlicher Auftrag

Die Teilnehmer des Gesprächs erkannten, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist, sondern täglich neu errungen werden muss. In einer Zeit, in der populistische Bewegungen in vielen Ländern Europas an Einfluss gewinnen und autoritäre Tendenzen sichtbar werden, wird die Verteidigung demokratischer Werte zu einem genuinen christlichen Anliegen.

Das Christentum hat von seinen Anfängen an die Würde jedes Menschen betont. Diese anthropologische Grundüberzeugung bildet das Fundament einer demokratischen Gesellschaftsordnung, die auf der Gleichberechtigung aller Bürger basiert. Wenn Jesus sagt: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan" (Matthäus 25,40), dann schließt das auch die politische Sorge für die Schwächsten der Gesellschaft ein.

Gemeinsame Werte, unterschiedliche Wege

SPD und EKD mögen in manchen konkreten politischen Fragen unterschiedlicher Auffassung sein, doch in der Grundsorge um die demokratische Ordnung finden sie zusammen. Diese Allianz zeigt, dass die Verteidigung der Demokratie über parteipolitische Grenzen hinausgeht und Christen verschiedener politischer Überzeugungen vereinen kann.

Die evangelische Kirche bringt dabei ihre prophetische Tradition ein, die es ihr ermöglicht, kritisch zu gesellschaftlichen Entwicklungen Stellung zu nehmen, ohne sich parteipolitisch zu vereinnahmen zu lassen. Gleichzeitig schätzen die Politiker die moralische Autorität der Kirche, die aus ihrer geistlichen Verwurzelung und ihrer Nähe zu den Menschen erwächst.

Herausforderungen für die christliche Politik

Das Gespräch zwischen SPD-Präsidium und EKD-Rat macht deutlich, vor welchen Herausforderungen christlich motivierte Politik heute steht. Extremismus von rechts und links bedroht die Mitte der Gesellschaft, in der sich die meisten Christen politisch beheimatet sehen. Gleichzeitig führt die Komplexität moderner Probleme dazu, dass einfache Antworten populistischer Bewegungen attraktiv erscheinen können.

Hier kommt der christlichen Ethik eine besondere Rolle zu: Sie kann helfen, auch in schwierigen Zeiten an differenzierten Lösungen festzuhalten und der Versuchung zu widerstehen, komplexe Probleme mit simplen Parolen zu beantworten. Wie Paulus mahnt: "Prüft alles und behaltet das Gute!" (1 Thessalonicher 5,21).

Die Kirche als Stimme der Gewissen

In dem Dialog wird deutlich, welche wichtige Rolle die Kirchen als "Gewissen der Gesellschaft" spielen können. Sie sind nicht parteipolitisch gebunden und können daher unabhängig ethische Maßstäbe anlegen. Diese Unabhängigkeit ist besonders wertvoll in Zeiten, in denen politische Diskussionen von Taktik und Machtkalkülen geprägt sind.

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Gleichzeitig muss die Kirche aufpassen, dass sie ihre prophetische Stimme nicht verliert, indem sie sich zu eng an eine bestimmte politische Richtung bindet. Der Dialog mit allen demokratischen Kräften – wie er nun mit der SPD geführt wird – zeigt, dass die EKD diesen Balanceakt ernst nimmt.

Europa als christliches Projekt

Das Gespräch zwischen SPD und EKD fand auch vor dem Hintergrund der europäischen Herausforderungen statt. Viele der Gründerväter der Europäischen Union waren von christlichen Überzeugungen geprägt und sahen in der europäischen Einigung auch ein friedensstiftendes christliches Projekt. Diese Vision ist heute bedroht durch nationalistische Tendenzen und den Aufstieg europafeindlicher Parteien.

Sowohl die SPD als Europapartei als auch die EKD als Teil der europäischen Ökumene haben ein Interesse daran, das europäische Projekt zu stärken und gegen seine Feinde zu verteidigen. In diesem Sinne ist ihr Dialog auch ein Beitrag zur Zukunft Europas als Wertegemeinschaft.

Konkrete Schritte gegen den Extremismus

Das Spitzengespräch blieb nicht bei allgemeinen Bekenntnissen zur Demokratie stehen, sondern suchte nach konkreten Ansätzen im Kampf gegen antidemokratische Tendenzen. Dabei wurde deutlich, dass sowohl politische Bildung als auch die Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen entscheidend sind.

Die Kirchen können hier durch ihre Gemeindearbeit, ihre Bildungseinrichtungen und ihre sozialen Projekte einen wichtigen Beitrag leisten. Sie erreichen Menschen, die von der herkömmlichen politischen Bildung möglicherweise nicht erfasst werden, und können demokratische Werte auf der Grundlage christlicher Überzeugungen vermitteln.

Ein Zeichen der Hoffnung

Das Gespräch zwischen SPD und EKD ist ein ermutigendes Zeichen in einer Zeit, in der oft nur über Spaltungen und Konflikte berichtet wird. Es zeigt, dass es möglich ist, über parteipolitische und weltanschauliche Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten, wenn es um die Grundlagen des demokratischen Zusammenlebens geht.

Diese Art des Dialogs entspricht dem christlichen Auftrag zur Versöhnung und zum Friedensstiften. Wie Jesus in der Bergpredigt sagt: "Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden" (Matthäus 5,9). In einer polarisierten Zeit kann die Kirche durch solche Gespräche zu einem Faktor der Verständigung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts werden.

Die Fortsetzung dieses Dialogs in regelmäßigen Abständen wäre ein wichtiges Signal an die Gesellschaft, dass die demokratischen Kräfte gewillt sind, zusammenzustehen und gemeinsam für die Zukunft der Demokratie zu kämpfen. Nur so kann verhindert werden, dass extremistische Kräfte die Meinungsführerschaft übernehmen und die demokratische Kultur nachhaltig beschädigen.


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