Die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE) hat einen bedeutsamen Schritt unternommen, um das wachsende Problem der Christenverfolgung in Europa anzugehen. In einer offiziellen Stellungnahme fordert sie die Europäische Kommission auf, einen EU-Koordinator gegen antichristlichen Hass zu ernennen.
Parlamentsresolution als Grundlage
Der Auslöser für diese Initiative war eine Entschließung des Europäischen Parlaments vom 21. Januar, die eine beunruhigende Realität ans Licht brachte. Das Dokument stellt fest, dass das Christentum heute die am stärksten verfolgte Religion der Welt ist, von der über 380 Millionen Menschen betroffen sind.
Besonders problematisch erscheint den Parlamentariern die Tatsache, dass zwar ein EU-Koordinator zur Bekämpfung der Islamfeindlichkeit existiert, aber kein entsprechendes Amt für Christenfeindlichkeit. Diese Asymmetrie in der institutionellen Aufmerksamkeit ruft nach einer dringenden Korrektur.
Die globale Dimension der Christenverfolgung
Die Statistik von 380 Millionen betroffenen Christen weltweit verdeutlicht das Ausmaß dieser humanitären Krise. Von subtiler Diskriminierung bis hin zu offener Gewalt reicht das Spektrum antichristlicher Übergriffe in verschiedenen Weltregionen.
Besonders dramatisch ist die Situation in Ländern wie Nigeria, Nordkorea, Somalia oder Afghanistan, wo Christen systematischer Verfolgung ausgesetzt sind. Doch auch in Europa mehren sich beunruhigende Zeichen einer wachsenden Feindseligkeit gegenüber christlichen Werten und Symbolen.
COMECE: Anwältin der europäischen Christen
Die Kommission der Bischofskonferenzen der EU vertritt seit Jahrzehnten die Interessen der katholischen Kirche in den europäischen Institutionen. Ihr aktueller Appell ist keineswegs spontan entstanden, sondern resultiert aus langjährigen Beobachtungen und wiederholten Warnungen.
Besonders bemerkenswert ist die sprachliche Präzision des Vorschlags: COMECE schlägt vor, dass der künftige Beauftragte den Titel „Koordinator für antichristlichen Hass" tragen soll, nicht „Christenfeindlichkeit". Diese Wortwahl unterstreicht die Schwere der Angriffe auf christliche Gemeinschaften.
Europas christliche Wurzeln unter Druck
Die europäische Zivilisation ist untrennbar mit dem Christentum verbunden. Von der Architektur bis zur Rechtsprechung, von der Kunst bis zur Sozialordnung haben christliche Werte das Gesicht Europas geprägt. Die zunehmende Marginalisierung dieser Tradition stellt daher eine kulturelle Herausforderung ersten Ranges dar.
In verschiedenen EU-Ländern werden christliche Symbole aus dem öffentlichen Raum verdrängt, religiöse Feiertage infrage gestellt und Gewissensfreiheit bei ethischen Streitfragen eingeschränkt. Diese Entwicklung alarmiert nicht nur religiöse Führungspersönlichkeiten, sondern auch säkulare Verteidiger der Religionsfreiheit.
Rechtliche Grundlagen und internationale Verpflichtungen
Die Forderung der Bischöfe stützt sich auf solide rechtliche Fundamente. Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte garantiert Religions- und Gewissensfreiheit als universales Recht. Die Europäische Menschenrechtskonvention konkretisiert diese Verpflichtung für die EU-Mitgliedstaaten.
Ein EU-Koordinator gegen antichristlichen Hass würde diese bereits bestehenden Verpflichtungen institutionell verankern und deren Umsetzung systematisch überwachen. Dies entspricht dem bewährten Modell anderer EU-Koordinatoren für spezifische Diskriminierungsformen.
Biblische Perspektiven: Verfolgung als Zeichen der Zeit
Jesus Christus hatte seine Jünger ausdrücklich vor Verfolgung gewarnt: „Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen" (Joh 15,20). Diese prophetische Ankündigung findet in der heutigen Weltlage eine bedrückende Bestätigung.
Gleichzeitig verheißt der Herr seinen Nachfolgern besonderen Beistand in Zeiten der Bedrängnis: „Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich" (Mt 5,10). Diese Verheißung stärkt verfolgte Christen in aller Welt.
Diplomatie und pastorale Sorge
Der Vorstoß von COMECE verbindet geschickt diplomatische Professionalität mit pastoraler Verantwortung. Anstatt rein religiöse Argumente zu verwenden, appellieren die Bischöfe an universale Prinzipien der Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit.
Diese Strategie erhöht die Chancen auf politischen Erfolg erheblich. Säkulare Politiker können die Forderung unterstützen, ohne sich automatisch zu religiösen Bekenntnissen bekennen zu müssen. Der Schutz vor Diskriminierung liegt im Interesse aller demokratischen Gesellschaften.
Ökumenische Dimension der Christenverfolgung
Obwohl COMECE primär katholische Interessen vertritt, betrifft die Christenverfolgung alle christlichen Konfessionen gleichermaßen. Orthodoxe, protestantische und anglikanische Gemeinschaften leiden unter denselben Übergriffen und Diskriminierungen.
Ein EU-Koordinator gegen antichristlichen Hass würde daher automatisch ökumenische Relevanz besitzen. Diese übergreifende Wirkung könnte paradoxerweise zu einer stärkeren christlichen Einheit in Europa beitragen, da gemeinsame Herausforderungen traditionelle Spaltungen relativieren.
Nächste Schritte und politische Aussichten
Die Europäische Kommission wird nun den Vorschlag von COMECE und die Resolution des Parlaments sorgfältig prüfen müssen. Politische Beobachter rechnen mit intensiven Diskussionen zwischen den Mitgliedstaaten, da das Thema religionspolitische Sensibilitäten berührt.
Der Erfolg hängt wesentlich davon ab, ob es gelingt, den Koordinator als Instrument des Menschenrechtsschutzes zu positionieren, nicht als Privileg für eine bestimmte Religion. Die Bischöfe haben durch ihre ausgewogene Argumentation dafür bereits den Grundstein gelegt.
In einer Zeit, da religiöse Minderheiten weltweit unter Druck stehen, könnte Europa durch die Ernennung eines solchen Koordinators ein wichtiges Signal für Religionsfreiheit und Toleranz senden.
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