In einem Beitrag für den sela.-Blog erklärt Dr. Ulrich Wendel, wie die alttestamentliche Figur Eliëser zu einem Vorbild für eine reflektierte Gebetspraxis werden kann. Der Verwalter Abrahams erhält den Auftrag, eine Frau für Isaak zu finden – eine heikle und zugleich zutiefst persönliche Mission. Statt vorschnell zu handeln, macht Eliëser das Gebet zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen.
Am Zielort erlebt Eliëser eine Situation, die scheinbar exakt auf seine zuvor erbetenen Zeichen passt. Doch anstatt sofort zu handeln, hält er inne. „Abrahams Verwalter stand schweigend dabei und schaute ihr zu“, heißt es in der biblischen Szene. Dieser Moment des Beobachtens wird zum Schlüssel: Beten bedeutet nicht nur Bitten, sondern auch Warten, Hinschauen und dem eigenen Eindruck zu misstrauen, bis Klarheit entsteht.
Ein weiterer Akzent: Eliëser lässt bewusst eine „Sollbruchstelle“ in seinen Planungen – Raum für Entscheidungen der Beteiligten, auch wenn er selbst eine innere Gewissheit hat. Damit wird er zum Beispiel dafür, dass geistliche Gewissheit nicht mit Durchsetzung verwechselt werden darf. Die Reihenfolge „beten – schweigen – beobachten – beten – handeln“ wird so zu einer Einladung, spirituelle Entscheidungen mit Gelassenheit zu treffen.
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