In Thüringen wurde der erste Moschee-Neubau des Bundeslandes eingeweiht — ein Ereignis, das Fragen über religiöse Vielfalt, Toleranz und das Zusammenleben verschiedener Glaubensgemeinschaften in Deutschland aufwirft. Für Christen bietet dieses Thema Anlass zur Reflexion über den eigenen Glauben und den Dialog mit anderen Religionen.
Was geschah?
Die neue Moschee in Erfurt wurde nach mehrjähriger Bauzeit feierlich eröffnet. Unter den Gästen waren Vertreter der muslimischen Gemeinde, lokale Politiker und auch Repräsentanten der christlichen Kirchen. Das Gebäude soll nicht nur als Gebetsraum dienen, sondern auch als Ort der Begegnung und des Dialogs.
Eine christliche Perspektive
Wie sollen Christen auf den Bau einer Moschee reagieren? Die Antwort erfordert sowohl Treue zum eigenen Glauben als auch Respekt vor der Würde jedes Menschen.
Das Zweite Vatikanische Konzil erklärt in „Nostra Aetate": Die Kirche betrachtet „mit aufrichtiger Hochachtung jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren", die in anderen Religionen zu finden sind. Gleichzeitig bleibt die Überzeugung: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben" (Johannes 14,6).
Religionsfreiheit als christlicher Wert
Überraschend für manche: Die Verteidigung der Religionsfreiheit — auch für Nicht-Christen — ist ein zutiefst christliches Anliegen. Das Zweite Vatikanische Konzil betont in „Dignitatis Humanae", dass jeder Mensch das Recht auf religiöse Freiheit hat, weil die Würde der menschlichen Person es verlangt.
Jesus selbst hat niemanden zum Glauben gezwungen. Er hat eingeladen: „Kommt zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken" (Matthäus 11,28). Eine Einladung, kein Zwang.
Dialog statt Angst
In einer Zeit, in der Angst vor dem Fremden oft lauter ist als die Bereitschaft zum Gespräch, sind Christen aufgerufen, Brücken zu bauen. „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden" (Matthäus 5,9).
Dialog bedeutet nicht, die eigene Identität aufzugeben. Im Gegenteil: Wer fest im eigenen Glauben steht, kann dem anderen offen und ohne Angst begegnen. Petrus schreibt: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und respektvoll" (1 Petrus 3,15-16).
Gemeinsame Herausforderungen
Christen und Muslime in Deutschland stehen vor gemeinsamen Herausforderungen: Säkularisierung, Materialismus, die Krise der Familie. In diesen Bereichen gibt es Raum für Zusammenarbeit, ohne die theologischen Unterschiede zu verwischen.
„Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden" (Römer 12,18). Diese paulinische Ermahnung gilt auch und gerade in der Begegnung mit Menschen anderen Glaubens.
Ein Anlass zum Nachdenken
Der Moschee-Neubau in Thüringen kann für Christen ein Anlass sein, den eigenen Glauben neu zu vertiefen. Wenn andere Religionen wachsen, ist die Frage nicht nur: „Was glauben die?" — sondern auch: „Was glaube ich? Und lebe ich meinen Glauben überzeugend?"
Letztlich ist die beste Antwort auf religiöse Vielfalt nicht Angst oder Gleichgültigkeit, sondern ein lebendiger, authentischer christlicher Glaube, der andere durch sein Zeugnis anzieht: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt" (Johannes 13,35).
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