Wie steht es um die Lebendigkeit der Kirche?

Fuente: PRO Medienmagazin

In der Studie „Wie lebendig ist unsere Kirche?“ hat Christian Hümpfner die Vitalität christlicher Gemeinden in Fulda untersucht. Ziel war es, die Lebendigkeit von Kirche konkret zu erfassen und praxisnahe Handlungsempfehlungen aus den Ergebnissen abzuleiten. Das Anliegen: Möglichkeiten zeigen, wie Kirche vor Ort lebendig und relevant gestaltet werden kann. Neben Mitgliedern evangelischer und katholischer Gemeinden nahmen auch zahlreiche Christen aus Freikirchen teil.

Wie steht es um die Lebendigkeit der Kirche?
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Sie beantworteten Fragen dazu, als wie bedeutsam sie in ihrer Gemeinde den Gottesdienst, die Gemeinschaft, seelsorgliche Begleitung und diakonisches Engagement erleben. Je ausgeprägter diese Dinge sind, desto stärker ist die wahrgenommene Lebendigkeit einer Gemeinde, so die Idee hinter der Studie.

Mit Blick auf Gottesdienste wird in der Studie deutlich, dass deren Gestaltung Türen öffnet und Menschen anzieht – besonders durch Musik und Predigt. 44,4 Prozent der Befragten gaben an, dass sie „moderne Lobpreismusik“ im Gottesdienst bevorzugen. Deutlich weniger, 37,3 Prozent gaben an, dass sie klassische Kirchenmusik mit Orgel und Chor vorziehen.

Auf die Frage „Wie relevant sind die Inhalte der Predigt für Ihr tägliches Leben?“ antworteten drei Viertel der Befragten, die Predigt sei für sie relevant oder sehr relevant. Weniger als zehn Prozent gaben an, die Predigt als wenig oder gar nicht bedeutsam zu empfinden. Aber jeweils mehr als die Hälfte der Befragten aus evangelischen, katholischen oder freikirchlichen Gemeinden gab an, sich durch die Predigt zu persönlichem Engagement motiviert zu fühlen.

Gemeinschaft spielt entscheidende Rolle

Dauerhafte Bindung entsteht vor allem durch Beziehung und Gemeinschaft, zeigt die Studie. Drei von vier Menschen empfinden das Gemeinschaftserlebnis beim Besuch des Gottesdienstes als wichtig oder sehr wichtig. Von den befragten Freikirchlernsaget jeder Zweite, dass ihm dies „sehr wichtig“ sei. Bei Befragten der evangelischen Landeskirche gaben das 28,4 Prozent der Befragten an, bei den Katholiken 27,9 Prozent.

Doch die Studie zeigt, dass dieses Bedürfnis in der Praxis oft unerfüllt bleibt. Auffällig wird das besonders in katholischen und evangelischen Gemeinden. Die Freikirchen konnten dieses Bedürfnis der Studie zufolge besser bedienen. Auf die Frage: „Wie stark fühlen Sie sich mit den anderen Gemeindemitgliedern verbunden?“ antworteten knapp drei Viertel der Freikirchler, dies „stark“ oder „sehr stark“ zu empfinden. Bei Evangelischen und Katholischen empfand das jeweils nicht einmal die Hälfte der Befragten.

Die Erhebung zeigt auch, dass Seelsorge zentral ist für die kirchliche Lebendigkeit. Sie schafft Bindung, fördert Engagement und vertieft das Glaubensleben. Auf die Frage: „Wie wichtig sind Ihnen seelsorgliche Angebote in Ihrer Gemeinde?“ gaben vier Fünftel der Freikirchler an, dass ihnen das „wichtig“ oder „sehr wichtig“ ist. Bei Evangelischen und Katholischen gaben das rund sechs von zehn Befragten an.

Auch diakonisches Handeln ist für die Vitalität einer Gemeinde von hoher Bedeutung. So sagen knapp 70 Prozent, dass ihnen soziale Angebote und Hilfsaktionen in der Gemeinde (sehr) wichtig sind und mehr als 60 Prozent geben an, regelmäßig bei diakonischen Angeboten mitzuwirken. Diakonische Angebote können die Bindung der Menschen an die Gemeinde fördern und Gottes Liebe konkret erfahrbar machen.

Mission und Marketing nicht verwechseln

Die Studie wurde im Juni 2025 im Stadtgebiet Fulda durchgeführt und basiert auf der Befragung (schriftlicher Fragebogen und online) von 1.011 Teilnehmern. Der Fragebogen war nach den vier klassischen Grundvollzügen kirchlichen Lebens strukturiert: Leiturgia (Gottesdienst), Martyria (Verkündigung), Diakonia (Dienst am Nächsten) und Koinonia (Gemeinschaft). Ziel war es, die Lebendigkeit der Kirche durch die Augen der Mitglieder selbst zu erfassen – nicht ausschließlich von Kirchen- und Gemeindeoberen. Die empirischen Daten haben Hümpfner und weitere Autoren dann mit ausführlichen theologischen Reflexionen verknüpft.

Gemeinde wird in der Wahrnehmung der Befragten besonders dann als lebendig erlebt, wenn in mehreren dieser Dimensionen hohe Werte auftreten, etwa wenn Gemeinschaft als „wichtig“ oder „sehr wichtig“ bewertet wird und sich viele Befragte „stark“ oder „sehr stark“ mit anderen Gemeindemitgliedern verbunden fühlen. Die Studie verzichtet bewusst auf starre Grenzwerte, ab denen eine Gemeinde als „lebendig“ oder „tot“ gelten würde, sondern zeigt Tendenzen an.

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Hümpfner betont in einem Beitrag zur Studie, dass Mission und Marketing nicht verwechselt werden dürften. Gestaltung könne Menschen anziehen, aber gelebte Beziehungen seien entscheidend für langfristige Lebendigkeit. Insgesamt betont die Studie, dass Kirche Wachstum und Resilienz dort erfährt, wo Authentizität, Vertrauen und gegenseitige Hingabe im Mittelpunkt stehen.

„Wertvolle Impulse für die Zukunft“

Pastor Raphael Bellmann von der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) Fulda, der an der Studie mitgearbeitet hat, sieht sich durch die Ergebnisse in dem Weg seiner Gemeinde bestätigt und positiv herausgefordert, weiter an der Förderung von Gemeinschaft und Beziehungen zu arbeiten. Das Vorhaben sei im Vorfeld in der Gemeindeleitung und in der Gemeinde durchweg auf positive Resonanz gestoßen.

„Zentrales Anliegen der Studie ist eine ehrliche Bestandsaufnahme der Situation von Gemeinden“, erklärte Bellmann im Gespräch mit PRO, und weiter: „Entscheidend ist der wertschätzende Ansatz. Die Untersuchung hat nicht danach gesucht, Fehler aufzudecken und gegeneinander auszuspielen. Sie hat danach gefragt, wie Gemeinden gemeinsam lebendig bleiben können.“

Für Bellmann war die Teilnahme der FeG Fulda daher schnell entschieden. Auch deshalb, weil das Vorhaben, an dem möglichst viele Gemeinden beteiligt sein sollten, bewusst ökumenisch sei. Bellmann berichtet, dass sich die Gemeindeleitung bereits zuvor intensiv mit Fragen der Gemeindekultur und der Gastfreundschaft beschäftigt habe. Ziel sei es gewesen, sensibler für Gäste zu werden, Gemeinschaft zu stärken und eine einladende Atmosphäre zu schaffen. „Es war einfach schön zu sehen, dass die Studie bestätigt: Es lohnt sich, in diesen Bereich zu investieren“, sagt der Pastor.

Aus Bellmanns Sicht zeigt das ökumenisch ausgerichtete Projekt vor allem eines: „Wenn Christen verschiedener Konfessionen gemeinsam auf die Situation ihrer Gemeinden schauen, können wertvolle Impulse für die Zukunft entstehen.“ Die Untersuchung wertet Bellmann deshalb nicht nur als Analyse, sondern auch als Einladung, kirchliches Leben vor Ort bewusst weiterzuentwickeln.

Christian Hümpfner studiert katholische Theologie in Paderborn. Er engagiert sich in verschiedenen Gemeinden und arbeitet seit mehr als zehn Jahren im Rettungsdienst. Mit der privat organisierten Erhebung wollte er seine wissenschaftliche Neugier mit praktischer Erfahrung im sozialen Bereich verbinden. Der Theologiestudent setzt sich intensiv mit den Herausforderungen und Chancen kirchlichen Lebens und der Ökumene auseinander. Hümpfners neues Ziel: Die Erhebung auf das gesamte Bundesgebiet ausweiten und Gemeinden und kirchliche Akteure neu inspirieren und stärken.

Christian Hümpfner (Hrsg.): „Gemeinsam lebendig bleiben – Ökumenische Impulse für eine Kirche mit Zukunft“, Herder Verlag, 256 Seiten, ISBN 978-3-451-02619-5

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