Herr Kummeth, was ist spannender: eine Sitzung des Pfarrgemeinderats oder das Lernen eines Drehbuchs?
Horst Kummeth: Ich glaube, das Auswendiglernen eines Drehbuches ist immer noch spannender. Es geht ja nicht nur darum, Texte auswendig zu lernen, sondern auch, die jeweilige Figur glaubhaft darzustellen. Da ist eine Pfarrgemeinderatssitzung oft deutlich trockener.
Ihr neues Buch heißt „Das Drehbuch meines Lebens“. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Drehbuch Ihres persönlichen Lebens?
Ich durfte viele schöne Dinge erleben, aber ich habe auch viele Fehler gemacht. Ich leide sehr unter dem Jähzorn, den mir mein Vater vererbt hat. Als Schauspieler und Regisseur konnte ich ausflippen, wenn wir über künstlerische Belange diskutiert haben. Dabei habe ich oft falsch reagiert und es hätte bessere Lösungen gegeben. Auch mit meiner Frau habe ich deswegen häufig sinnlos gestritten. Das lässt sich alles leider rückwirkend nicht mehr ändern.
Für welche Ihrer Stärken sind Sie dankbar?
Ich bin dankbar für meinen Glauben. Ich bin ein gläubiger Mensch, der viele Fehler gemacht hat. Aber Gott hat mich nie verlassen und immer gehalten. Ich mag es auch, wenn sich Menschen austauschen. Eine gute Kommunikation vermeidet entstehende Krisen. Außerdem bin ich geduldiger und gelassener geworden. Ich kann Dinge akzeptieren, die ich nicht verändern kann.
Der Glaube hat schon in Ihrer Kindheit eine wichtige Rolle gespielt. Haben Sie nie gezweifelt?
Eigentlich nicht. Ich habe mich intensiv mit den drei monotheistischen Weltreligionen befasst. Ich wollte verstehen, wie ein Glaube funktioniert, der in 613 Geboten geregelt ist, um damit Gott zu gefallen. Auch im Islam habe ich eine intensive Religiosität erlebt. Aber letzten Endes ist die Botschaft des christlichen Glaubens unübertroffen. Jesus predigt Nächstenliebe und ruft dazu auf, für die Feinde zu beten. Selbst am Kreuz bittet er darum, den Menschen zu vergeben. Wenn ich das lese, bekomme ich eine Gänsehaut. Ein Gott, der auf die Welt kommt und für unseren Dreck stirbt: Das ist einzigartig. Ich war zwischenzeitlich aus der Kirche ausgetreten, weil ich mich der Kirche nicht mehr zumuten wollte. Aber Zweifel hatte ich nie.
Wie kann es gelingen, dass die Botschaft der Kirche die Menschen besser erreicht?
Oft denke ich, dass die Feinde der Kirche in der Kirche sind. Wir brauchen keine Geistlichen, die Zweifel säen. Ein guter Pfarrer ist mitreißend. Kürzlich erzählte ein Pfarrer, dass das Sterben ein großer Glücksmoment sei, ohne über das ewige Leben zu sprechen und zu erzählen, dass Gott viele Wohnungen für uns bereithält. Große Glücksmomente haben aber auch Drogenabhängige, wenn sie sich den goldenen Schuss setzen. Ein Priester, der nicht daran glaubt, was er verkündet, soll bitte einen anderen Beruf ausüben. Mit besseren Seelsorgern wären unsere Kirchen wieder voller. Davon bin ich überzeugt.

Was braucht es noch?
Das kirchliche Kerngeschäft muss das Seelenheil der Menschen sein. Ich vergleiche das gerne mit einem Krankenhaus. Dort gibt es Fachleute für die Verwaltung, die Finanzen und die Medizin. Das sollte genauso für die Kirche gelten. Es ist Quatsch, dass ein Pfarrer nach einem anstrengenden Tag mit Beerdigungen und Taufen noch unzählige Verwaltungsthemen mit dem Pfarrgemeinderat bearbeiten soll. Wenn noch nicht einmal Zeit bleibt, um die Beichte anzubieten, ist das bedenklich.
Sie haben die Bibel komplett gelesen. Was war Ihre wichtigste Erkenntnis?
Das sollte jeder Christ mal machen. Einige Bibelstellen kommen selbst bei Lesungen in der Kirche nie vor. Aber die Größe Gottes, der uns an der Hand hält und nicht loslässt, zieht sich wie ein roter Faden durch die Bibel. Oft greift Gott ein. Manchmal dürfen aber auch Menschen erfahren, dass sie etwas falsch gemacht haben. Auch der Koran hat schöne Suren, die auf Gottes Liebe hinweisen. Aber etwas Größeres als die Bibel wurde nie geschrieben.
Haben Sie auch eine Lieblingsgeschichte?
Ja, die von Abraham. Als Gott ihm verspricht, dass er Vater eines großen Volkes werden wird, glaubt und vertraut er darauf, obwohl er nicht wusste, wie das funktionieren sollte. Dann bekommt er den Sohn, der ihm versprochen wurde, und soll ihn opfern. Als Vater und Großvater beschäftigt mich die Frage, wie weit er für Gott gegangen wäre. Seine Liebe zu Gott war auf jeden Fall so groß, dass er dieses Opfer gebracht hätte.
Gäbe es denn eine biblische Person, die sie gerne einmal verkörpern würden?
Das wäre auf jeden Fall Abraham. In der Bibel wird nicht beschrieben, wie verzweifelt Abraham vermutlich darüber war, dass er seinen Sohn opfern sollte. Dieses Nichtweiterwissen oder -weiterkönnen darzustellen, würde mich sehr reizen.
Sie beschreiben in Ihrem Buch, wie Sie abends im Hotelzimmer sitzen, die Bibel lesen und beten, während sich die Kollegen betrinken. Wie oft war Ihr Glaube Thema am Set?
Wenn es der Plan zugelassen hat, ging ich abends nach den Dreharbeiten immer in die Kirche. Als wir in Tirol gedreht haben, begann ich die Bibel durchzulesen. Viele Kollegen haben das gewusst und sich auch darüber lustig gemacht. Sie fragten mich, ob ich nichts Besseres zu tun hätte. Der Spott perlte an mir ab. Mir war egal, dass ich als Sonderling galt. Einen Kollegen, den ich sehr mochte, habe ich gebeten, mit seinen abfälligen Bemerkungen aufzuhören. Ich sagte ihm, dass es mir wehtat, wie er über Gott redete. Danach hat er damit aufgehört.
Sie sind mehr als 50 Jahre in der Schauspielerei tätig. Was bleibt am ehesten in Erinnerung?
Am schönsten sind die Momente, in denen man sich fast von seinem eigenen Leben löst. Das durfte ich in einem Stück mit Gustl Bayrhammer erleben, als wir uns in ein Gefühlschaos hineingespielt haben. Solche Momente vergisst man nie.
Wenn Sie dem jungen Horst Kummeth heute einen Tipp geben müssten, was wäre das?
Fange nie an zu kämpfen. Ich habe mir als junger Schauspieler viele Rollen erkämpft, weil ich überleben musste. Ich war innerlich verzweifelt und am Boden zerstört, wenn ich Rollen nicht bekommen habe. Da hatten andere Kollegen eine Gelassenheit, die mir auch gutgetan hätte.
Und wie blicken Sie auf Ihr Lebensende?
Mich beeindruckt der Tod überhaupt nicht. Leider wird er in unserer Gesellschaft immer mehr ausgeklammert, aber er gehört zum Leben dazu. Ich glaube, dass Gott mich im richtigen Moment zu sich holen wird. Angst habe ich vor Siechtum, Krankheit und Schmerzen. Aber der Tod bringt mich nach Hause. Für einen jungen Menschen ist das unfassbar weit weg. Aber als gläubiger Mensch ist es sinnlos, Angst vor dem Tod zu haben.
Vielen Dank für das Gespräch.
Horst Kummeth, Drehbuch meines Lebens, ISBN 9783987901171, Bonifatius-Verlag, 240 Seiten, 24 Euro.
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