Am Frühstückstisch mit Johnny Cash

Fuente: PRO Medienmagazin

Als wäre es gestern gewesen. So erzählt Günther Klempnauer von seinem Treffen mit dem legendären Leichtathleten Jesse Owens. Das war 1972 am Rande der Olympischen Spiele in München. Eigentlich suchte er die Begegnung mit dem Langstreckenläufer Emil Zátopek, hatte aber plötzlich Gelegenheit, als einer von nur zwei Journalisten mit dem vierfachen Goldmedaillen-Gewinner der 1936er Spiele von Berlin ein Interview führen zu können. 

Am Frühstückstisch mit Johnny Cash
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Als wäre es gestern gewesen, berichtet der Siegener Theologe, Pädagoge und Journalist von seiner Begegnung mit Johnny Cash, den er am Aufzug eines Londoner Luxushotels abpassen konnte, um sogleich vom US-amerikanischen Countrystar zum Frühstück eingeladen zu werden. Ebenso gern erinnert er sich an sein langes Gespräch mit Peter Maffay, für das der deutsche Rockmusiker den eigenen Soundcheck erst einmal sausen ließ.

Günther Klempnauer, Peter Maffay Foto: Archiv Günther Klempnauer
Begegnung mit Peter Maffay: „Günther, warum bist du Christ?“

„Günther, warum bist du Christ?“, hätte ihn der Musiker gefragt. Und weil er gut vorbereitet gewesen sei, habe er sich sehr unmittelbar auf einen Maffay-Titel beziehen können, erinnert sich Klempnauer. In seinem Song „Woran glaubst du“ stelle der Künstler nämlich ähnliche Fragen: „Woran glaubst du? Wer verzeiht dir? Wer nimmt dir die Angst?“ In seiner Antwort habe er auf Jesus verweisen können, so der Seelsorger. Bei Christus finde er Anerkennung, Geborgenheit, Vergebung und Freiheit, so Klempnauer damals. Heute zitiert er in diesem Zusammenhang den für ihn zum Glauben führenden Bibelvers aus Jesaja 43: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

Es ging immer um die Sinn- und Gottesfrage

Die Liste all derer, die er hat befragen können, ist lang. In einer Auswahl nennt Klempnauer den Entertainer Thomas Gottschalk („ihn musste ich live auf einer Fernsehbühne interviewen“), den Schauspieler Johannes Heesters („er lud mich zum Nachmittagskaffee in seine Villa am Starnberger See ein“), den Popstar Michael Patrick Kelly („er bat mich um einen Segen, bevor er für sechs Jahre ins Kloster ging“) oder das „Playmate“ Ursula Buchfellner („sie erzählte mir ihre erschütternde Lebensgeschichte“).

Günther Klempnauer, Thomas Gottschalk Foto: Archiv Günther Klempnauer
Begegnung mit einer deutschen Showgröße: Günther Klempnauer mit Thomas Gottschalk

Vielleicht habe er seine Gespräche mit den prominenten Menschen aus Musik, Politik, Sport, Wirtschaft und Wissenschaft vor allem führen können, weil er „diesen Leuten“ als Theologe, als Pastor begegnet sei und damit als ein Gegenüber, das immer auch die Sinn- und Gottes-Frage zum Thema machte. So habe der Impresario Fritz Rau für ein Interview gar zur Bedingung gemacht, dass es dort unbedingt auch um das gehen sollte, was für den Menschen existenziell bedeutsam ist.

Weil Klempnauer seine „Promi-Talks“ jahrzehntelang öffentlichkeitswirksam publizieren konnte (in Zeitungen und Magazinen, Büchern, Vorträgen oder beim katholischen Sender K-TV), wuchs ihm mit der Zeit selbst eine gewisse Bekanntheit zu. Davon zehrt er. Gern berichtet er nach wie vor etwa von dem für ihn beeindruckendsten Interviewpartner, dem Physiker, Philosoph und Friedensforscher Carl Friedrich von Weizsäcker. Fünf Stunden lang habe er mit dem älteren Bruder des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker gesprochen. Nicht vergessen wolle er dessen „Vermächtnis“, gebündelt in wenigen Worten: „Die tiefste Erfahrung des Menschen lautet nicht Freiheit, sondern Ohnmacht. Die tiefste Erfahrung des Menschen ist nicht der Mensch, sondern der gnädige Gott.“

Vom Krieg heimgesucht

Nun feiert Günther Klempnauer seinen 90. Geburtstag. Und kann Rückschau auf das eigene, lange Leben halten. Zur Welt kam er am 18. März 1936 im westpreußischen Marienburg. Er wuchs im benachbarten Städtchen Neuteich in einer gutbürgerlichen Familie auf. Sein Vater war Direktor einer Raiffeisengesellschaft, der Opa mütterlicherseits wartete mit einem Buick samt Privatchauffeur auf, und in den Ferien konnte er sich auf dem Rittergut seines Onkels austoben. Alles schön, alles gut. Doch dann kam der Krieg.

Die Familie floh Anfang 1945 vor der anrückenden Sowjetarmee zunächst nach Danzig und musste dort Schreckliches erleben. Die Großmutter verbrannte, die Mutter wurde brutal vergewaltigt, auch die zwölfjährige Schwester nahm Schaden. Die Rückkehr nach Neuteich war ernüchternd: die Villa zerstört, die Perspektive zu bleiben auch, da waren Hunger und Fron. Im Frühjahr 1946 konnte die kleingewordene Familie (der Vater war noch in Gefangenschaft) in den Westen Deutschlands ausreisen. Die Zeiten wurden besser.

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Motiviert durch seine Schüler

Günther Klempnauer machte eine kaufmännische Lehre, sattelte dann aber um und studierte Evangelische Theologie. Er wurde Gemeindepastor in Witten, arbeitete später als Religions- und Sportpädagoge am Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in Siegen. Es seien seine Schülerinnen und Schüler gewesen, die ihn motiviert hätten, neben Menschen in sozialen Randlagen auch solche mit „Geld, Ruhm und Erfolg“ nach dem Sinn ihres Lebens zu befragen, so Klempnauer.

Günther Klempnauer, Jesse Owens
Am Rande der Olympischen Spiele 1972 in München: Günther Klempnauer mit dem vierfachen Goldmedaillen-Gewinner der Spiele von 1936, dem US-Leichtathleten Jesse Owens, und einer Hostess

Und so zog er aus, um all den „Promis“ zu begegnen, und kam mit spannenden Geschichten zurück. Eine Win-Win-Win-Situation, deren Spuren bis in die Gegenwart sichtbar sind. So schickte ihm Markus Egger, langjähriger Leiter der „Inter-Mission“, der mit weiteren Darstellern des Musicals „Hair“ 1972 in Siegen das Ensemble verließ und Christ wurde, jüngst via Facebook „ein dickes DANKE“. Für ihn sei Klempnauers seelsorgerliche Hilfe damals „geistlich lebensrettend“ gewesen.

1964 heiratete Günther Klempnauer die Apothekerin Monika Unger. Das Paar bekam zwei Töchter, von denen eine in ihrem 30. Lebensjahr an Brustkrebs verstarb. Ein Schicksalsschlag, dessen Schatten blieben. Wegen einer schweren Demenzerkrankung lebt Klempnauers Ehefrau inzwischen in einem Pflegeheim, bekommt täglich Besuch von ihrem Mann.

Auch am Nachmittag seines 90. Geburtstags will er an Monikas Seite sein. Am Morgen allerdings ist er dort, wo er sich gleichfalls zu Hause fühlt: in der Gesellschaft von Studierenden am Weiterbildungskolleg Siegen. Auf deren Wunsch hin wolle er mit ihnen über „Erfolgsmanagement“ diskutieren. Hellwach. Als wäre er gerade gestern noch Lehrer gewesen.

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